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Begegnungsladen für Menschen mit und ohne körperliche Behinderung

Nachruf

Ilse Busse

• Siloah •
Ilse war ohne Übertreibung eine Institution im Siloah, sie war schon seit den Anfängen dabei, seit den Gründungstagen der Fördergemeinschaft Cunit in den frühen 80er Jahren. Ihr Weg führte sie über den Arbeitskreis Behinderte (AKB) zum Verein, viele Jahre verkaufte sie dort auch voller Eifer das „AKB-Bladl“ – kaum jemand konnte ihr wohl ausschlagen, ein Exemplar zu kaufen. Im Begegnungsladen war sie nie nur Konsumentin, sondern immer aktiv und interessiert an der Weiterentwicklung des Vereins. Seit 1987 leitete sie ohne größere Unterbrechung die monatliche Töpfergruppe, eine feste Konstante im Siloah-Programm. Andere „Bazler*innen“ unterstützten sie tatkräftig, doch Ilse war ganz klar „der Boss“, schließlich war das Töpfern auch ihr Beruf in der Pfennigparade. Doch nicht nur hier brachte sie sich ein, sie war auch sonst eine sehr regelmäßige und treue Besucherin, sei es dienstags oder freitags, zudem sehr reiselustig und immer gern mit Siloah unterwegs. Im Aktiventreff brachte sie sich mit vielen Ideen und Kontakten ein, schließlich war sie bekannt wie ein bunter Hund. Bei Parties und Feiern fehlte sie nie und war meist auch auf der Tanzfläche zu finden. Oft war sie die letzte, die nicht nach Hause gehen wollte, bis sie nicht jemand daran erinnerte, doch so langsam mal ein Taxi zu bestellen. Ihre Meinung hat Ilse immer ungefiltert kundgetan und eckte durchaus auch mal an, sie war eben ein Mensch mit Ecken und Kanten. Doch immer war sie auch Optimistin, die bis zuletzt die Hoffnung hatte, ihre Krankheit besiegen zu können. Ilse wird uns fehlen, sie gehörte zum festen Kern von Siloah und hinterlässt eine Lücke, die nicht so leicht zu füllen sein wird.

• Monika Winkler und Werner Müller •
In Memory Ilse Busse

Am 31. Januar 2020 ist Ilse Busse, ein langjähriges treues Siloah-Mitglied, nach längerer Krankheit verstorben. Obwohl wir alle wussten, dass Ilse schwerkrank war, war die Nachricht von ihrem Tod doch ein Schock für uns. Ein Trost war, dass sie friedlich eingeschlafen war und nicht leiden musste.

Das Licht der Welt erblickte Ilse am 22. September 1953 in St. Blasien bei Waldshut, wo sie zunächst mit ihren zwei Geschwistern aufwuchs. Vermutlich war dabei ihre leichte Behinderung, abgesehen von gelegentlichen epileptischen Anfällen, nicht allzu sehr von Bedeutung. Dies war dann erst seit etwa 2003 der Fall, als Ilse zunehmend auf den Rollstuhl und somit auf mehr Hilfe angewiesen war.

Da Ilses Vater Meteorologe war, war dies mit einigen beruflichen Versetzungen verbunden. So gelangte die Familie auch nach Vogtareuth – zwischen Wasserburg und Rosenheim –, von wo aus Ilse zu Beginn der 1980er-Jahre nach München kam. Nachdem sie dort zunächst im Spastiker-Zentrum war, kam sie dann in die Stiftung Pfennigparade, wo Ilse in der Kunstwerk-Abteilung im Bereich Keramik ein Betätigungsfeld gefunden hatte, das zu ihrem Metier wurde.

Daneben war Ilse Mitglied in einige Behinderten-Initiativen – doch hauptsächlich im Begegnungsladen Siloah, wo sie seit etwa 1985 die monatlichen Töpfernachmittage anbot. Zudem war Ilse auch in dem „Aktiven-Kreis“, in dem besprochen und koordiniert wurde, was in Siloah angeboten werden soll.

Da Siloah bis etwa 1995 auch vom Arbeitskreis Behinderte (AKB) mitgetragen wurde, gab es darin verschiedene Arbeitskreise, denen Ilse angehörte. Zu nennen sei der AK „AKB-Bladl“ (späteres „AKB-Magazin“), in dem Ilse fast von Anfang an aktiv war. Neben dem Schreiben zu unterschiedlichen Thematiken stellte sie darin auch barrierefrei zugängliche Cafés mit Fotos vor.

Sehr gern nahm Ilse auch an Veranstaltungen und Unternehmungen aller Art teil, die von Siloah angeboten wurden. Große Freude bereitete Ilse hierbei alles, was mit Musik zu tun hatte. Aber auch die Tagesfahrten und Reisen hatten es ihr angetan. Siloah war für sie zur zweiten Heimat geworden.

Ilse war wirklich ein besonderer Mensch mit Ecken und Kanten. Schmeicheleien und Höflichkeitsfloskeln fielen ihr schwer. In Siloah fand sie auch Menschen, die sie akzeptierten und mochten. Dies gab ihr eine gewisse Geborgenheit, die jeder Mensch braucht.

Wir werden sie sicherlich nicht vergessen und ihr ein liebevolles Gedenken bewahren.

• Gudrun Steinkopff •
Nachdenken über Ilse Busse

Du hast uns verlassen, liebe Ilse. Vor einigen Tagen erfuhr ich es, und es schmerzte mich tief.
Seit 1985 hast Du Töpfernachmittage angeboten, also 35 Jahre lang. Damit warst Du schon eine der tragenden Säulen unseres Begegnungsladens, der sich damals in der Schmied-Kochel Straße befand!
In den 80er/90er Jahren sind wir uns oft begegnet: mittwochs in der Teestube, bei Veranstaltungen und bei vielen Wochenendfreizeiten. Einige Orte bleiben mir im Gedächtnis: Langau, St. Ottilien, Kempfenhausen, Thalhäusl, Babenhausen und auch Kloster Bernried. Wir trafen uns bei Gert Gruber in der Gotzingerstraße, nahmen die Beifahrer auf, ehe wir mit unseren Privatwagen das Wochenendziel ansteuerten. Ab 1986 gab es zusätzlich auch einen VW-Bus zwecks Beförderung. Unvergessen: Ich habe Dich oft in meinem Auto mitgenommen – zusammen mit Doris u.a. .
Noch etwas ganz anderes: Ilse, Du warst die wandelnde „Werbetante“: Anfangs (das war vor meiner Zeit) animiertest Du zum Kauf der Zeitschrift „Die Luftpumpe“, dann folgte das „AKB-Bladl “ vom Arbeitskreis Behinderte, zu dessen Inhalt auch Deine Beiträge gehörten. Meiner Erinnerung nach hast Du z.B. über Filme, Bücher und Events berichtet. Werner Müller kann dazu mehr sagen. Und dann hast Du natürlich auch stets für das Siloah-Programm geworben. Bei diversen Veranstaltungen hattest Du es immer dabei!
Du hast viel für Siloah getan. Mit Deinem Angebot, dem Töpfern – es war Dein Metier – hast Du Menschen zusammengeführt und ihre Kreativität fördert. Dafür gebührt Dir größter Dank, liebe Ilse!
Meine Gedanken beleuchten natürlich nur einen Aspekt Deines Lebens. Er reicht aber, um festzustellen:
Du bist nicht vergessen!